Frank Haaf ist schon eine Weile im Geschäft.
Der Einsatzleiter für die mobilen sozialen Dienste kann sich noch an
Zeiten erinnern, da dauerte der Zivildienst 20 Monate. Derzeit sind es
noch zehn, und schon kursieren Überlegungen, ihn um einen weiteren Monat
zu verkürzen.
Zudem gibt es auch deshalb immer weniger
Zivis, weil künftig nur noch die jungen Männer der Tauglichkeitsstufen 1
und 2 zum Wehr- oder Zivildienst gerufen werden. Noch vor wenigen Wochen
wurden auch "T 7 "-Leute eingezogen. Und schließlich hat Vater
Staat den sozialen Einrichtungen die Zivildienststellen ganz generell, über
die so genannten Kontingenttage, gekürzt. Ganz abgesehen davon, dass seit
März auch noch die Zuschüsse für die Hilfskräfte um monatlich 66 Euro
gekürzt wurden.
Lauter Punkte, die es dem ASB und ähnlichen
Organisationen schwer machen, ausreichend Zivildienstleistende zu
bekommen. "Wir könnten 50 Plätze besetzen", sagt Frank Haaf.
Doch 16 Plätze sind derzeit frei. Und in diesem Monat werden zehn
Zivildienstleistende ihren Dienst beim ASB beenden - doch nur zwei Neue
rücken nach.
Folge der Misere: Die Leistungen müssen
zurückgefahren werden: Besonders bei der Betreuung von behinderten
Kindern oder Schwerstkranken. " Wir nehmen nichts mehr an", sagt
Haaf, "wir vertrösten die Leute auf September. Vielleicht sieht's
dann etwas besser aus." Die Fahrdienste, etwa für das "Essen
auf Rädern", werden größtenteils von geringfügig Beschäftigten
erledigt. Nur in der häuslichen Krankenpflege, die von ausgebildeten,
beim ASB angestellten Fachkräften gemacht wird, gibt es momentan keine
Einschränkungen.
Weil es an Zivis mangelt, will der ASB, der
als Regionalverband Lauffen-Kraichgau auch eine Außenstelle in Eppingen
unterhält, jetzt verstärkt auf das Freiwillige soziale Jahr (FSJ)
setzen. Schon jetzt sind zwölf junge Leute im Alter zwischen 17 und 21
Jahren - elf Mädchen und ein Junge - beim Lauffener ASB beschäftigt,
vorwiegend in der Betreuung behinderter Kinder.
Eine von ihnen ist Kathrin Mohn. Die 21-jährige
Kirchheimerin hat sich seit dem vergangenen September um den kleinen
Marius aus Pfaffenhofen gekümmert. Täglich hat sie den siebenjährigen
Jungen, der an Autismus leidet, in die Förderschule nach Brackenheim
begleitet. Die Betreuung des behinderten Kindes hat sie als bereichernd
und wertvoll empfunden, nicht nur weil sie gesehen hat, dass Marius enorme
Fortschritte gemacht hat. "Ich bin mir jetzt absolut sicher, dass ich
in dieser Richtung arbeiten möchte", sagt Kathrin. In Kürze will
sie an der Berufsakademie ein Sozialpädagogik-Studium beginnen. Das FSJ
kann sie nur jedem empfehlen: "Mir hat's super gefallen."
Frank Haaf hofft, dass sich viele Mädchen
und Jungen für ein FSJ entscheiden, das bei einer sozialen Ausbildung
auch als Praktikum anerkannt wird. Zudem taugt es zur Überbrückung der
Wartezeit auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz. Haaf: "Wenn einer
17 ist, keinen Job hat und auf die Berufsschule müsste, kann er auch zu
uns kommen. "
Info Der ASB in Lauffen,
Paulinenstraße 9-11, ist unter Telefon 07133 / 95300 und e-Mail info
asb-lauffen.com zu erreichen. Im Internet: www.asb-lauffen.de
14.06.2003
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